Moderne Architektur in Österreich

Moderne Architektur in Österreich

Im Burgenland reifen die kräftigsten Rotweine und die süßesten Weißweine des Landes und die Winzer sind zu progressiven Bauherren geworden. Viele von ihnen, wie das Weingut Esterhazy, haben kühne Bauten in die Landschaft gesetzt oder ihren Bestand höchst sensibel revitalisiert und erweitert.

Unglaubliche Bauwerke

Kärnten blickt mit seinem südlichen Klima auf eine Tradition im mediterranen Bauen zurück. Hiesige Villen und Badehäuser vermitteln die Atmosphäre der klassischen Sommerfrische. Heute wagt man große Schritte im Bereich Architektur, wie das „Steinhaus“ von Günter Domenig am Ossiacher See zeigt, ein inzwischen weltweit bekanntes Beispiel für postmodernes, dekonstruktivistisches Bauen. Oder Hauptsitz der Hypo Alpe-Adria-Bank, die auch Besinnung, Kosmopolitismus und interessante Visionen symbolisiert.

Niederösterreich hält eine breite Palette an architektonischen Erlebnismöglichkeiten bereit. Ein Spaziergang durch die Altstadt von Krems ist ein Zeitfenster ins Mittelalter, aber die Kunsthalle Krems katapultiert einen in die Gegenwart zurück. Das spektakulärste Architekturjuwel von Niederösterreich ist das Loisium, ein riesiges multimediales Weinmuseum mit angeschlossenem Design-Hotel. Der Wolkenturm in Grafenegg erzeugt Spannung beim Betrachter. Im Kontrast mit einem Schloss im Stil des romantischen Historismus schiebt sich ein expressiv gefalteter Pavillon in den Parkhimmel und fungiert als Skulptur, Open-Air-Bühne und Verweilort zugleich.

Historische Ortskerne in Oberösterreich – wie in Wels, Steyr, Schärding und Gmunden-finden sich ebenso wie spannende Architektur der Gegenwart, wie das Lentos Kunstmuseum am Linzer Donauufer oder das markante, futuristische Ars Electronica Center, das mittels Leuchtdioden alle Farben spielt. Bis vor einigen Jahren war das Brucknerhaus, ein Konzerthaus aus den ´70-er Jahren, mit seinen schwebenden Konzertsälen, das erste international beachtete Gebäude der Neuzeit.

Museum der Zukunft

Das Ars Electronica Center ist ein Ort für Forschungen, Entdeckungen und Experimente, sowie ein Ort, das die Zukunft reflektiert, Denkweise und Sachbetrachtung in verschiedenen Aspekten beeinflusst. Besucher können dieses Center alleine besichtigen oder Anweisungen von Experten beanspruchen. Im Center gibt es immer mehrere Ausstellungen zur gleichen Zeit. Die dauernde Ausstellung ist „Neue Blickwinkel der Menschheit“ und sie stellt Programmgrundpunkt der Kustoden dar. Es gibt vier Abteilungen, die voneinander getrennt sind, in denen man menschliche Wesen und die Welt, die mit der Zeit und unter seinem Einfluss verändert worden ist, untersucht, sowie was in der Zukunft passiert, wenn man so weiter macht. Was alle Exponate gemeinsam haben, sind verschiedene Aspekte und der Ausgangspunkt bei der Untersuchung der Menschheit, des Lebens heute und der Aussichten für die Zukunft.

Salzburg wird oft als Synonym für „Barock“ verwendet, damit sind die Kirchen, Paläste und Plätze aus der Mozart-Zeit gemeint. Aber hervorragende Beispiele zeitgenössischer Architektur, wie das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg oder der Hangar 7 am Salzburger Flughafen, die einzigartige Kombination aus Flugzeug-Hangar, Kunstgalerie, Gastronomie und Erlebnisbereich, machen deutlich, dass Salzburg auch andere Seiten hat.

In der Steiermark ist eine der lebendigsten Architekturszenen Österreichs am Werk, heute bekannt als „Grazer Schule“. Weil auch Stadtplaner vom Geist dieser Schule geprägt sind, präsentiert sich das Kunsthaus, auch „Friendly Alien“ genannt, der britischen Architekten Cook und Fournier als Wirklichkeit gewordene Vision. Das Kunsthaus oder Vito Acconcis Insel in der Mur sind klare Beweise für die Machbarkeit einer bislang nur geträumten Architektur.
Das bergige Vorarlberg hat sich zu einem wahren Magnet für Architektur-Interessierte entwickelt. In den letzten vierzig Jahren entstand hier eine unübersehbare Dichte an architektonisch interessanten Alltagsbauten. Seit den `90-er Jahren wird dem „Ländle“ (wie man Vorarlberg im Dialekt nennt) in der europäischen Fachwelt viel Aufmerksamkeit zugeteilt. Die frühe Konzentration auf nachhaltiges Bauen brachte Vorarlberg in der Baukultur einen Entwicklungsvorsprung ein. Der sparsame Umgang mit den Ressourcen, einfache, konstruktiv gedachte Grundrisse und Materialien zeichnen die zeitgenössischen Bauten aus, bilden aber auch das Bindeglied zur Tradition.

Die meisten architektonisch interessanten Gebäude Tirols widmen sich den Besuchern des Landes am Inn. Ein Beispiel ist die Bergisel-Sprungschanze von Zaha Hadid, die mittlerweile als „Leuchtturm von Innsbruck“ gilt. Besucher können auf den „Turmkopf“ fahren und eine einzigartige Aussicht über das Inntal genießen. Die neue Schwebebahn Hungerburgbahn in Innsbruck oder das mehrfach ausgezeichnete Kaufhaus „MPries“ führen auch überzeugend vor Augen, dass Tirol großen Wert auf anspruchsvolle Architektur legt.

Wien hat ein so intaktes historisches Stadtbild wie kaum sonst eine Stadt, was für neue Architektur eine umso größere Herausforderung ist, weil sie in Dialog mit der historischen Substanz tritt. Die Skyline Donaucity oder das MuseumsQuartier führen aber eindrucksvoll vor Augen, dass der Sprung ins 21. Jahrhundert geglückt ist. Spezifisch für Wien ist auch die Kultur des Um- und Ausbauens alter Bausubstanz: so entstanden innenarchitektonische Glanzpunkte, die inzwischen weltweit als trendbestimmend gelten.